Im letzten Teil meiner Ayurveda-Reihe habe ich dir bereits die fünf Elemente näher vorgestellt. Aus diesen setzen sich die drei Bioenergien, die Doshas, aus denen wir laut der ayurvedischen Lehre aufgebaut sind, zusammen. Diese sind Kapha, Pitta und Vata. Jeder Mensch hat eine ihm eigene, natürliche Zusammensetzung dieser drei Anteile, die unseren individuellen Konstitutionstypen definiert. Es gibt Menschen, die z.B. ein reiner Pitta-Typ sind oder auch Mischtypen, bei denen zwei Doshas dominieren oder auch alle drei in etwa gleichem Verhältnis vorliegen, das sogenannte Tridosha.
Unser Konstitutionstyp bestimmt unsere körperlichen Eigenschaften, unseren Körperbau, aber auch unsere Begabungen und geistigen Prägungen. Idealerweise leben wir so, dass wir unsere eigene Konstitution in Balance halten, entfalten uns entsprechend unserer Natur, entwickeln Potentiale und erkennen unsere individuellen Grenzen an. Doch in unserer schnelllebigen, stark nach außen orientierten Welt ist dies nicht immer einfach.
Daher hoffe ich, dass dir diese Artikelreihe hilft, deine eigene Natur besser zu verstehen und zu leben. In diesem Beitrag möchte ich mir dir das Kapha Dosha, das Strukturprinzip, näher beleuchten.

Kapha = Erde & Wasser

Das Kapha Dosha setzt sich aus den Elementen Erde und Wasser zusammen. Es bildet das Strukturprinzip, ist für Festigkeit, Stabilität und Zusammenhalt zuständig. Ihm werden allgemein die Eigenschaften kalt, fest, schwer, stabil, langsam, träge, ölig, zähflüssig und süß zugeordnet. Es ist die alles aufbauende, strukturierende Kraft. In den Jahreszeiten in der Natur herrscht Kapha vor allem im späten Winter und beginnenden Frühling vor, wenn es kühl und feucht ist.

In unserem Körper sorgt Kapha dafür, dass Zellen und Gewebe aufgebaut werden. Der Körper erhält seine Form, Struktur, Stärke, Befeuchtung und Immunkraft. Menschen, die viel Kapha in sich tragen haben daher oft einen stabilen, stämmigen Körperbau und ein gutes Immunsystem. Ihre Haut ist oft fest und strahlend, das Haar kräftig und dick. Oft haben sie feuchte, kühle Hände. Menschen mit viel Kapha neigen schneller zur Ansammlung von Gewebe, haben eine eher langsame Verdauung. Sie haben eigentlich weniger Hunger, da sie weniger benötigen, um Gewebe aufzubauen. Dafür haben sie aber mehr Lust auf Essen und genießen es sehr. Sie neigen daher leichter zur Gewichtszunahme. Schlafprobleme sind für einen Kapha-Menschen eher ein Fremdwort, er hat einen tiefen, festen Schlaf.

Sie sind eher langsam und gemächlich, dafür aber auch stark, ausdauernd und leistungsfähig. Wenn andere schnell aufgeben, geht der Kapha-Typ weiter und bleibt dran, er ist überaus geduldig. Daher hat er nichts gegen Regelmäßigkeit, im Gegenteil, er liebt Routinearbeiten und Regeln. Im Umkehrschluss fällt es ihm oft schwer, sich auf Veränderungen einzustellen. Die Schwere des Kapha nimmt ihm hier die Leichtigkeit und Flexibilität. Er denkt gründlich über alles nach, bevor er ins Handeln kommt. Daher kann er super planen und organisieren. Es fällt ihm auch leicht methodisch vorzugehen. Zudem zeichnet ihn ein sehr gutes Langzeitgedächtnis aus.
Kapha-Leute sind die typischen Genussmenschen, sie lieben gutes Essen im Kreise der Familie. Sie sind sehr ausgeglichen, zufrieden und großzügig. Ihre Freunde wissen ihre tiefe Treue und Loyalität zu schätzen. Für viele sind sie der Fels in der Brandung, denn das Kapha gibt ihnen eine gute Erdung. Diese hilft auch ihnen selbst, denn sie sind in der Regel sehr stressresistent. Das Kapha unterstützt sie bei der Regeneration und Entspannung, was gerade in den heute oft schnelllebigen Zeiten umso wichtiger ist.
Obwohl sie viel Energie haben, fehlt ihnen oft die Motivation anzufangen. Sie neigen zur Trägheit und Bequemlichkeit.

Balance

Zu viel Kapha

Oft kann es vorkommen, dass durch die äußeren Umstände oder den eigenen Lebensstil die innere Balance verloren geht. Dabei kann ein Dosha zu viel oder zu wenig werden.
Sammelt man zu viel Kapha an, kann sich das oft in einem Schweregefühl, Schwäche, Faulheit, Trägheit und Lustlosigkeit widerspiegeln. Manche werden zwanghaft in ihrem Denken und Handeln. Auf körperlicher Ebene kommt es zu vermehrten Wasseransammlungen, Gewichtszunahme bis hin zu Übergewicht, hohen Blutfettwerten, fettiger Haut und Haaren. Der Körper neigt auch zu vermehrter Schleimbildung, oft in Kombination mit Infekten.

Zu wenig Kapha

Ist Kapha eher unterrepräsentiert, verliert man leicht die Bodenhaftung, neigt zu Ungeduld und Missgunst. Außerdem fühlt man sich ausgelaugt, schlapp und labil. Da Kapha für eine gute Befeuchtung sorgt, zeigt sich ein Mangel oft auch an Trockenheit, z.B. trockener Haut.

Wie du Kapha wieder in Balance bringen kannst

Um einen Mangel oder Überschuss an Kapha wieder auszugleichen, hilft es sich über die Grundeigenschaften dieses Doshas bewusst zu werden. Kapha ist vor allem schwer, kalt, stabil und feucht.
Liegt bei dir nun also ein Mangel an Kapha vor, solltest du diese Eigenschaften fördern und vermehren. Dir helfen ein ruhiger, geregelter Tagesablauf mit ausreichend Ruhe und Entspannung. Also kannst du auch mal etwas mehr schlafen. Bei der Ernährung kannst du auf etwas schwerere, fettreichere Nahrung achten. Hast du zu viel Hitze im Körper, können hier auch kalte Speisen und Getränke helfen.

Wenn bei dir umgekehrt ein Überschuss an Kapha vorliegt, gilt es die Eigenschaften der Schwere, Kälte und so weiter abzubauen, Kapha also zu verringern. Die Stabilität kann hier oft zu viel sein. In diesem Fall solltest du mehr Leichtigkeit in dein Leben bringen, deine Gewohnheiten und einen starren Tagesablauf durchbrechen, auch mal etwas spontan machen. Versuche eher weniger zu schlafen. Wichtig ist es Aktivität und Bewegung in dein Leben und deinen Alltag zu bringen. Gehe spazieren oder suche dir einen Sport, der dir gefällt. Wärme kannst du auch gut durch Saunabesuche bekommen.
Du kannst auch mal eine Mahlzeit auslassen und ansonsten auf leichtes, warmes Essen achten, was nicht zu viel Fett enthält. Viel Gemüse und anregende Gewürze tun dir nun gut. Warme oder heiße, anregende Getränke (ohne Koffein!) wie zum Beispiel Ingwertee aktivieren dich zusätzlich.



Konntest du dich im Kapha Dosha wiederfinden? Da wir eine Mischung aller drei Doshas sind, kann es sein, dass auf dich nicht alles zutrifft, du dich aber an einigen Stellen gut wiederfinden konntest. Hast du das Gefühl, du bist in Balance oder hast du aktuell zu wenig oder zu viel Kapha in dir? Wenn ja, dann hoffe ich, meine Impulse geben dir schon eine gute Richtung vor, um dein persönliches Gleichgewicht wiederherzustellen.
Im nächsten Artikel erfährst du mehr über das Vata Dosha.

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