In den letzten Jahrhunderten haben wir Menschen enorme technische Fortschritte gemacht, die uns auch viele Annehmlichkeiten gebracht haben. So sind wir heute in der Lage zu jeder Jahreszeit unser Wunschklima in unseren Räumlichkeiten zu erschaffen, die Nacht taghell zu erleuchten und auch im Winter exotisches Obst auf dem Tisch zu haben. Inwiefern das alles gut und notwendig ist, sei mal dahingestellt.

Doch trotz all dieser Errungenschaften sind wir dennoch auf das Engste mit der Natur, mit unserer Umwelt verbunden. Insbesondere die Jahreszeiten haben einen maßgeblichen Einfluss auf unseren Organismus, wie auch unser Wohlbefinden. Es ist also sinnvoll unsere Handlungen und Aktivitäten entsprechend dieser natürlichen Rhythmen anzupassen.

In diesem Artikel erfährst du daher, wie du deine Yogapraxis auf den Winter ausrichten kannst. Und gerade, wenn wir uns bei der winterlichen Kälte sowieso lieber drinnen aufhalten, bietet sich uns natürlich die Möglichkeit uns intensiver dem Yoga zu widmen.

Richte dir deinen Yogaplatz ein

Besonders schön ist es, wenn du dir für deine Praxis einen eigenen Wohlfühlort daheim schaffen kannst. Nach deinem Belieben dekoriert, vielleicht mit einem schönen Blick aus dem Fenster. Wenn die Yogamatte auch dauerhaft ausgerollt bleiben kann, ist auch schon das erste Hindernis beim Weg auf die Matte überwunden.

Was brauchst du jetzt?

Wenn du auf die Matte gehst, ist es zunächst einmal wichtig in dich und deinen Körper hineinzuhören, wahrzunehmen, wie es dir gerade geht um so herauszufinden, was du in diesem Moment überhaupt brauchst. Denn jeder Tag kann anders sein, abends fühlst du dich nicht so wie morgens. Wenn du also am Morgen, verstärkt durch die Dunkelheit des Winters, noch recht müde und träge bist, benötigst du eher eine sanfte Aktivierung und Kräftigung. Hingegen kommst du am Abend vielleicht gestresst von der Arbeit nach Hause, bist noch hibbelig, was in dieser Jahreszeit durch die Kälte gepaart mit Wind und die Hektik zum Jahresende oft noch verstärkt wird. Dann tut dir eine erdende Yogapraxis, die dein Gemüt beruhigt und dir hilft herunterzukommen, besonders gut. In jedem Falle braucht der Körper im Winter viel Wärme, dazu gibt es wundervolle Asanas und Atemtechniken, die dies unterstützen.

Du brauchst neue Energie? - Sanfte Aktivierung und Kräftigung

Wenn du am liebsten gleich mit Savasana beginnen möchtest, dich müde und erschöpft fühlst, brauchst du meist eine angenehm kräftigende und stimulierende Yogaeinheit, die deinen Stoffwechsel und Kreislauf aktiviert, dich wacher und klarer macht. Hier hilft oft ein sanfter Flow, also eine Abfolge mehrerer aufeinander abgestimmter Asanas. Sehr gut eignet sich zum Beispiel der Sonnengruß, Surya Namaskar, den du über mehrere Runden hinweg übst, bis dein Körper durch die Dynamik angenehm warm wird und sich dein Atem vertieft. Auch andere fließende Einheiten, wie ein Vinyasa Flow mit kraftvollen Asanas, bieten sich hier an. Beginne dabei zunächst mit einfachen Abfolgen und steigere dann den Anspruch allmählich mit komplexeren Abschnitten.

Kraftvolle Standhaltungen, welche du gern auch länger halten kannst, sind ebenfalls gut geeignet, um Wärme zu erzeugen und dich zu aktivieren. Verweile dabei lang genug aktiv in den Positionen, um die innere Herausforderung zu spüren. Zu diesen Asanas zählen unter anderem Haltungen für die Körpermitte sowie die Krieger-Varianten, wie Krieger 1, Krieger 2 oder der umgekehrte Krieger. Rückbeugen können dich ebenfalls in Schwung bringen, insbesondere durch die sanfte Öffnung für deinen Brustraum. Diese kann gleichzeitig deine Stimmung verbessern und damit aktiv dem Winterblues entgegen wirken. Deinen Stoffwechsel kannst du wunderbar mit Rückbeugen in Bauchlage, wie der Kobra oder dem Bogen, sowie mit Drehhaltungen anregen.

Auch dein Atem eignet sich hervorragend, um deinen Körper zu wärmen, in Schwung zu bringen und den Geist zu aktivieren. Vor allem die Ujjayi Atmung oder Kapalabhati sind hierfür gut geeignet.

Asana Krieger

Wenn du runterkommen und entspannen möchtest

Ein langer, anstrengender Tag geht zu Ende, vielleicht bist du von einem Termin zum anderen gehetzt. Du fühlst dich noch angespannt und überreizt. Was dir jetzt gut tun kann, ist eine wärmende, erdende und beruhigende Yogapraxis. Lass deine Einheit langsam beginnen, gib dir Zeit wirklich auf deiner Matte anzukommen, nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Gehe auch langsam und besonders achtsam in die Haltungen hinein und verweile länger in ihnen. Es darf gern weniger dynamisch und mehr statisch werden.

Wenn du den Sonnengruß üben möchtest, nimm dir auch hier Zeit für jede einzelne Haltung und lege viel Wert auf deine Zentrierung. Erdende Asanas für deine winterliche Yogapraxis sind vor allem Vorbeugen, wie die sitzende oder stehende Vorbeuge, sowie auch der Drehsitz. Insbesondere Vorbeugen können dir außerdem helfen den Alltagsstress loszulassen. Versuche dabei wirklich deine Anspannungen und den Druck abzugeben. Auch Kriegerhaltungen (Krieger 1, Krieger 2) können dir neben Kraft auch Stabilisierung, Erdung und Verankerung geben, wenn sie ruhig und mit einem Fokus auf deine Basis ausgeführt werden. Der Krieger 1 gibt dir zusätzlich auch die Möglichkeit deinen Brustraum zu öffnen. Im Winter tun uns herzöffnende Haltungen durch ihre schleimlösende Wirkung oft besonders gut. Vielleicht möchtest du auch Yin Yoga probieren. Dieser Stil ist sehr ruhig ausgerichtet und kann dich ungemein entspannen. Aber Achtung, wenn du diesen Yogastil nicht gewohnt bist und zu Gedankenkreisen oder Unruhe neigst, kann dir das anfangs zu viel Ruhe sein. Versuche dich dann zunächst an ein bis zwei Yin Yoga Haltungen. Auch ein ausgedehntes Savasana am Ende deiner Yogaeinheit kann dir jetzt zu weiterer Ruhe verhelfen.

Als Atemtechnik eignet sich hier besonders Nadi Shodana, die Wechselatmung, welche ich im kommenden Beitrag ausführlicher erklären werde. Die Wechselatmung gleicht dein vegetatives Nervensystem aus und sorgt so für eine Balance zwischen Aktivierung und Entspannung, zwischen Sympathikus und Parasymathikus. Weiterhin ist hier die Yogische Vollatmung zu nennen.


Passe deine Yogapraxis also deiner ganz individuellen Tagesverfassung an. Insbesondere über das Tempo kannst du hier gut auf deine Bedürfnisse eingehen. Wenn du dich gehetzt fühlst, übe eher langsam und sanft. Brauchst du hingegen neue Kraft und Aktivierung kann es ruhig etwas flotter und/oder kraftvoller werden, um deinen Körper hochzuheizen.

Diese Hinweise sollen dir als Inspiration dienen. Wie immer ist es wichtig, darauf zu achten, wie du dich damit fühlst und was für dich angenehm ist. Also probiere dich aus und übernimm die Tipps, die du gerade brauchst, die dir helfen. Ich wünsche dir eine wundervolle Wohlfühlzeit auf deiner Matte.

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